1. Einleitung


2. Spiele und Spielzeug


3. Ballspiele


Ballspiele waren bereits in der Antike bekannt und erfreuten sich, darf man den literarischen Quellen Glauben schenken, einer großen Beliebtheit. Leider ist es für den Archäologen der Neuzeit nur in einigen Fällen möglich, diese Spiele richtig zu benennen; ihr Regelwerk zu erklären ist nahezu unmöglich. Auch heute werden Ballspiele aus der Kinderzeit ohne schriftlich überliefertes Regelwerk gespielt. Die Regeln werden meistens mündlich weitergegeben. Ebenso sind die Regelangaben in der Antike minimal.

Trotzdem lassen sich einige Aussagen zum Ballspiel treffen. Gespielt wurde mit den unterschiedlichsten Balltypen. Es gab den aus Stoff- oder Lederstücken hergestellten Ball, griechisch sphaira oder lateinisch pila genannt. Gefüllt waren diese Lederbälle mit Wolle, Haaren oder Federn.
Daneben gab es das harpastum, einen kleinen, mit Haaren gefüllten Ball für das gleichnamige Spiel. Die Mittelgröße lieferte die paganica pila, ein mit Federn gefüllter Lederball.
Zu guter Letzt ist ab dem 2. Jh. v. Chr. der follis (lat.), ein luftgefüllter Lederball überliefert, wohl weniger ein Fußball, sondern vielmehr ein schlaff aufgepumpter Ledersack. Folgt man Martials Epigrammen, verwendeten ihn die Knaben und alten Männer zum Zeitvertreib und Spielen.

Gespielt wurde nicht nur im Freien, etwa zwischen den Fleischerbänken in Rom - eine Unsitte der Knaben -, wie uns die Quellen mitteilen, sondern auch auf richtigen Sportanlagen, den sogenannten sphairisteria (gr.). Eine Inschrift aus Delphi (ca. 258 v.Chr.) nennt die Abrechnungssumme für Instandsetzungsarbeiten an der gedeckten Rennbahn, dem Gymnasium und den Ballspielplätzen. Im Römischen Reich befanden sich die Sportanlagen meist im Bereich der Thermenanlagen.

Es wird aber auch von reichen Patriziern berichtet, die sich private Anlagen, teils überdacht und beheizt, erbauen ließen. Das Ballspiel war somit nicht nur ein Kindervergnügen, sondern gehörte durchaus zu den sportlichen Ertüchtigungen des erwachsenen Griechen oder Römers. Wir wissen, daß die Spieltypen in drei Kategorien unterteilt wurden. Die Wurf- und Fangspiele, datatim ludere (gebend spielen), Schlagspiele, expulsim ludere (schlagend spielen) und die Kampfspiele, raptim ludere (raffend spielen). Neben den verschiedenen Ballvergnügen die uns bekannt sind, erfreute man sich am geschickten Jonglieren von Glaskugeln oder brennenden Fackeln. Diese Unterhaltung beim Gelage wurde meist von Sklaven ausgeübt, die es aber durchaus zu einem gewissen Grad an Ruhm bringen konnten.

Daneben steht ein medizinisches Lehrbuch des Galen (129 - ca. 216 n. Chr.). Dieser beschreibt medizinische Ballübungen zur Körperertüchtigung. Medizinballübungen im heutigen Schulsport werden mit einer vergleichbaren Trainingsabsicht durchgeführt.

Fangspiele wurden meist in einer Kreisaufstellung gespielt. Es ging vermutlich um das hohe Hin- und Herwerfen und ein geschicktes Fangen. Auf Vasendarstellungen finden wir die Form des Reiterspiels, Ephedrismos (gr.), bei dem man das Werfen und Fangen dadurch erschwerte, daß der Mitspieler auf die Schultern genommen wurde. Ob bei Ballverlust die Rollen getauscht wurden oder ob es sonstige Zusatzregeln gab, wissen wir leider nicht.

Ein Einzelspiel hieß Urania. Dabei standen mehr der Tanzcharakter, die Geschicklichkeit, das hohe Werfen und Fangen im Vordergrund. Bei den Schlagspielen, die man einzeln oder im Verband spielte, wurde der Ball gegen eine Wand, gegen den Boden oder in die Luft geschlagen. Eine etwas lustigere Überlieferung dazu finden wir bei Petron. Schläger waren nicht gebräuchlich. Beim sogenannten Trigon spielten vermutlich drei Spieler gegeneinander. Hierbei wird die Beidhändigkeit und das geschickte Anschneiden der Bälle in den Quellen besonders hervorgehoben.

Zu der letzten Gattung, der Kampfspiele (gr. Sphairomachien), zählen die uns bekannten antiken Mannschaftsspiele. Taktiken, Kombinationen und Regelwerke, die eine gewisse Ordnung in das Geschehen brachten, sind unbekannt, waren aber mit Sicherheit ein wichtiger Bestandteil. Arenaria oder Tigerball, wurde in Kreisaufstellung gespielt. In der Mitte befand sich ein Spieler, der das Paßspiel der Außenstehenden durch Fangen unterbrechen mußte. In anderen Varianten konnte er auch geschickt abgeworfen werden, solange er den Ball nicht fing, wodurch er das Spiel zu seinen Gunsten entschieden hätte, ähnlich dem heutigen Völkerball.
Wie das Spiel Phaininda oder Harpastum ablief ist ungewiß. Ringerelemente scheinen eine Rolle gespielt zu haben. Ebenso wie sicheres Zuwerfen, Schnelligkeit, Treffsicherheit und Übersicht über das Spielgeschehen. Gespielt wurde vermutlich mit dem kleinen Hartball, dem harpastum.

Zwei Funde aus der Themistokleischen Mauer (480-470 v.Chr.) überliefern uns zwei weitere Spielformen. Auf zwei Stelen sind sogenannte Linienspiele (Episkyros, nach skyros= Gips-Mittellinie) dargestellt. Mit Sicherheit kann man von einem durchdachten Mannschaftssport ausgehen, auch wenn das Spielprinzip unbekannt ist. Vermutlich bestand das Ziel darin, den Wurfball über die Endlinie der Gegnerseite zu bringen. Daraus würde eine relativ große Spielfeldbreite resultieren, da eine Breite von nur einer Wurflänge das Spiel vorschnell beenden würde. Ob es Tore oder Ähnliches gab, ist unbekannt. Ebenso kann die Frage, ob die Spieleraufstellung durchgewechselt wurde, nicht beantwortet werden. Es bleibt viel Raum für gute Ideen, auch wenn die Interpretation der Darstellung bisweilen merkwürdige Blüten treibt.

Die zweite Szene zeigt eine noch merkwürdigere Darstellung, Zwei Knaben stehen mit Schlägern gebeugt über einem kleinen Ball. Man ist versucht, diese Szene mit einem Bully beim Feldhockey zu vergleichen. Trainieren die unbeteiligten, größeren Sportler am Rand den Nachwuchs? Zu diesem Sport schweigen die Quellen. Ein Bronzeknabe aus dem 5 Jd.v.Chr. trägt einen runden Gegenstand in der Linken. Seine Rechte Hand ist durchbohrt. Trug er ebenfalls einen Schläger? Wir wissen, daß Polo bei den Persern üblich war und auch den Griechen bekannt gewesen sein dürfte, aber erst in byzantinischer Zeit gespielt wurde. Handelt es sich hier um die Darstellung einer Feldvariante des üblicherweise zu Pferde gespielten Polos? Vielleicht schaffen weitere Funde etwas mehr Klarheit.

Von einer Form des Fußballspielens wissen wir bislang nichts. Oder um es mit den trefflich formulierten Worten von E. Gardiner zu sagen: "Shall we one day discover a representation of Greek boys playing football? The Chinese certainly played football at an early date. The Italian in the Middle Ages had their game of Calzio. The Greeks and Romans had an airfilled ball, the ‚follis', and they surely must have discovered how conveniently it could be propelled by the foot. For the present we do not know. We can only hope for future discoveries." (GARDINER, 238)


nach oben Literatur

  • J. M. Andrè, Griechische Feste, Römische Spiele (1994).
  • M. Fitta, Giochi e giocattoli nell' antichita (1997).
  • E. N. Gardiner, Athletics of the ancient world (1955).
  • L. Gründel, AA 40, 1925, 80-95.
  • H. A. Harris, Sport in Greece and Rome (1972).
  • R. C. Jensen, RDAC, 1984, 281-284.
  • S. Mendner, Das Ballspiel im Leben der Völker (1956).
nach oben Ausgewählte Quelltexte

  • Athenaios, The Deipnosophists, Übs. Ch. B. Gulick (1951).
  • Martial, Epigramme, Übs. P. Barié u. W. Schindler (1999).
  • Petron, Satyricon, Übs. H. C. Schnur (1968).



Verfasser: Daniel Bocheneck und Robert Nawracala



© 2004 Institut für Klassische Archäologie Erlangen