1. Einleitung 2. Spiele und Spielzeug


3. Ballspiele




Abgesehen von Computerspielen, Handys und allerei anderem technischen Schickschnack, mit dem die Kinder von heute aufwachsen, sind die Spiele und Spielzeuge der Antike und der Gegenwart gar nicht einmal so unterschiedlich. Sowohl Griechen als auch Römer kannten Ballspiele, das Würfeln, Treff- und Zielübungen mit kleinen Gegenständen wie Steinen, Nüssen oder Ähnlichem, Puppen, Huckepack, Blindekuh, Verstecken und Ringelreihen, Wägelchen und Tiere mit fahrbarem Untersatz zum Ziehen u.v.m. Obwohl die Möglichkeiten der Spielzeugherstellung in der Antike beschränkt war, zeichnet sich die griechisch-römische Kultur durch einen beeindruckenden Ideenreichtum aus. Aber auch im Teenager- und im Erwachsenenalter war die Auswahl an Spielen groß. Es gab Ball- und Brettspiele, aber auch das Spielen mit dem Kreisel, das Jonglieren mit kleinen Bällen, Würfeln mit Würfeln oder Astragalen ist für die "Großen" belegt.


nach oben Schriftliche und archäologische Quellen


Schriftliche Quellen sind in weitaus größerer Zahl erhalten, als dass hier im Einzelnen darauf eingegangen werden könnte. Die Liste beinhaltet Autoren wie Homer, Platon, Aristoteles, Martial, Ovid und Sueton, um nur die namhaftesten zu nennen. Nach Ov. trist. 2,471 hat es sogar Bücher gegeben, die sich ausschließlich mit Spielen und ihren Regeln befassten. Leider ist uns kein einziges überliefert. Sogar die römischen Kaiser, darunter besonders der Kaiser Augustus, widmeten sich nach Suet. Aug. 71,83 in ihrer Freizeit diversen Spielen. Der Hang zum Spielen wurde aber auch schon damals nicht durchweg positiv gesehen und konnte bisweilen im wahrsten Sinne des Wortes fatale Folgen haben. Homer berichtet in der Ilias 23,88, dass der junge Patroklos über ein verlorenes Würfelspiel so in Rage geriet, dass er seinen Mitspieler tötete. Die Spielsucht war ein verbreitetes Übel und sicher hat sich mancher beim Glücksspiel um sein ganzes Geld gebracht.

An archäologischem Material ist vor allem die griechische Keramik von großer Aussagekraft. Darunter bieten in besonderem Maße die sogenannten Choenkännchen eine reiche Ikonographie zum Thema Kinderspiele. Diese Choenkännchen wurden zusammen mit diversen Spielsachen an den Anthesterien, einem Fest zu Ehren des Dionysos, allen dreijährigen Kinder geschenkt und zeigen Bilder, die das Geschehen an diesem Festtag widerspiegeln. Mit Beendigung des dritten Lebensjahres galt die kritische Kleinkindphase überwunden und das Kind wurde mit dem ersten Schluck Wein aus seinem Choenkännchen offiziell in die Gemeinschaft der Polis aufgenommen. Neben den Vasen gibt es auch eine Reihe von Statuen - zu den berühmtesten gehört die Knöchelspielerin aus den Staatlichen Museen in Berlin -, Terrakotten, Wandbilder aus römischer Zeit, v.a. aus Pompeij und Herculaneum oder Sarkophage, unter denen es eine Gattung gibt, die eigens Szenen aus dem Kinderleben wiedergeben. Nicht zuletzt sind natürlich auch Überreste des Spielzeugs selbst auf uns gekommen. In der griechisch-römischen Antike war es Brauch, den Verstorbenen persönliche Gegenstände mit ins Grab zu geben oder einer Gottheit Spielzeug zu weihen und so symbolisch von der Kindheit Abschied zu nehmen. So kommt es, dass die erhaltenen Spielsachen hauptsächlich aus Kindergräbern oder Heiligtümern stammen.





Verfasserin: Daniela Ziegler M.A.










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