1. Literarische Quellen

2.
Archäologischer Befund

3. Die sphärischen Sonnenuhren

4. Literatur






nach oben 1. Literarische Quellen


Die einfachste aller Methoden, in der Antike die Zeit zu messen, bedurfte keinerlei Hilfsmittel außer den menschlichen Körper selbst. Diese Messmethode beruht auf der banalen Beobachtung, dass Gegenstände lange Schatten werfen, sofern die Sonne tief steht (morgens und abends) und kurze Schatten bei zenitnahem Sonnenstand (mittags) (Abb. 1).




Abb. 1: Menschlicher Schattenwurf im Laufe des Tages




Ein dem Trajan zugeschriebenes Epigramm aus der Anthologia Graeca besagt:

"Sperrst du den Mund auf und richtest
die Nase der Sonne entgegen, zeigst du
den Wanderern stets treulich die Stunden
des Tages." (Anthologia Greaca XI, 418)


Dieses scheinbar kuriose Gedankenbild muss tatsächlich Teil des antiken Alltags gewesen sein, wie zahlreiche Schattentafeln belegen - Tabellen, in denen verschiedene Schattenlängen des Körpers den Tagesstunden zugeordnet waren. Die früheste erhaltene Tabelle datiert um 200 v. Chr., doch auch noch im Mittelalter fanden solche Tabellen Verwendung. Zwei weitere Überlieferungen belegen, dass diese Methode bereits im antiken Griechenland bekannt war und benutzt wurde. In seinem Schauspiel Ecclesiazusae (393 v. Chr.) lässt Aristophanes eine athenische Bäuerin auftreten, die mit ihrem Ehemann über die Vorzüge und Nachteile eines Frauenstaates diskutiert, und feststellt, dass sich die Männer in einem solchen Staat nur noch darum zu kümmern hätten, essen zu gehen, sobald der Schatten zehn Fuß lang ist.

Auch Eubulos (370 v. Chr.) und eine ähnliche Geschichte bei Menander (315/314 v. Chr.) bestätigen, dass Mahlzeiten durch die Schattenlänge des menschlichen Körpers festgelegt wurden.

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Da diese Methode der Zeitmessung zwar sehr einfach, aber auch sehr ungenau war, bedurfte es Hilfsmitteln, die eine genauere Messung erlaubten. Die früheste Überlieferung hierzu finden wir bei Herodot (5. Jh. v. Chr.), der erwähnt, dass die Griechen die Zwölf-Stunden-Einteilung des Tages, sowie den polos (Liniennetz) und gnomon (Schattenwerfer) von den Babyloniern übernommen hätten. Wie diese frühen Sonnenuhren - bestehend aus gnomon und polos - aussahen, ob sie lediglich als Kalender oder auch als Tagesstundenanzeiger dienten, wird von Herodot nicht überliefert.

Auf eine vergleichbar frühe Einführung der Sonnenuhr im antiken Griechenland deutet auch eine Überlieferung bei Diogenes Laertius (310-320 n. Chr.), der Favorinus (2. Jh. n. Chr.) zitiert. Dieser schreibt dem Anaximandros (um 580 v. Chr.) die Erfindung des gnomon, sowie seine erstmalige Aufstellung in Sparta zu. Neben dem gnomon, der zur Beobachtung der Äquinoktien und Sonnenwenden (also als Kalender) diente, soll Anaximandros auch die oroskopeia erfunden haben, ein Instrument zum Messen der Tagesstunden. Eine ähnliche Überlieferung findet sich auch bei Plinius (1. Jh. n. Chr.).

Die ausführlichste antike Überlieferung im Bezug auf Sonnenuhren finden wir bei Vitruv im 1. Jh. v. Chr. In seinem berühmten Werk über die Baukunst bezeichnet er die Gnomonik, also die Lehre von den Sonnenuhren, als einen der drei Architekturbereiche neben der aedificatio (der Konstruktion und Ausführung von Gebäuden) und der machinatio (der Lehre von den für Bauvorhaben erforderlichen Werkzeugen und Instrumenten). Vitruv erläutert die seinerzeit zugänglichen Erkenntnisse über die Bewegungen der Erde und Gestirne, die von zahlreichen griechischen Mathematikern und Astronomen in klassischer, vor allem aber in hellenistischer Zeit errungen worden waren. Gestützt auf diese Erkenntnisse (z.B. der Berechnung der Schräglage der Erdachse, sowie des Erdumfangs und der geographischen Breiten) entwirft Vitruv das Analemma, ein Schema, mit dessen Hilfe jede beliebige Sonnenuhr konstruiert werden konnte. Ferner nennt Vitruv auch die vielen verschiedenen Arten von Sonnenuhren, die zu seiner Zeit gängig waren, sowie auch deren Erfinder.

Insgesamt deuten die Überlieferungen darauf hin, dass die Sonnenuhr zwar bereits in archaischer Zeit in Griechenland eingeführt wurde, jedoch bis zur Zeit des Hellenismus ein Eliteinstrument einiger weniger Wissenschaftler blieb. Erst am Ende des 4. Jh. v. Chr. scheint die Sonnenuhr, bedingt durch den Erfindergeist des Hellenismus, zu einem Alltagsgegenstand des Normalbürgers geworden zu sein, der neben die alte Messmethode (ohne Hilfsmittel) trat.



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Verfasserin: Stefanie Hubert





© 2004 Institut für Klassische Archäologie Erlangen