Lebadeia

In Böotien lag das alte Höhlenorakel und die Heilstätte des Trophonios. Der Legende nach war Trophonios, dessen Vater nicht eindeutig ist (Zeus, Apollon oder menschliche Väter), Baumeister und errichtete mit seinem Stiefvater Agamedes Tempel u.a. den des Apollon in Delphi und mehrere Schatzhäuser.
Beim Bau des Schatzhauses in Elis für Augeias brachten sie einen Stein so an, daß er nur herausgezogen werden mußte und sie so an die Schätze herankamen. Agamedes stieg hinein, wurde aber in einer Falle gefangen. Um seine Identität zu verbergen, schlug ihm Trophonios den Kopf ab und vergrub diesen. Danach floh er und versteckte sich in einer unterirdischen Höhle und starb dort. Das Orakel befand sich also am Eingang der Unterwelt, ist also sowohl ein Traumorakel, als auch ein Totenorakel.
Der Ablauf der Orakelbefragung war mit komplizierten Riten verbunden, siehe Pausanias 9,37,5: nach einer Vorbereitungszeit mit Fasten und Reinigungen, Geißelung und Opfern mit Opferschau (Eingeweideschau), wurde der Orakelsuchende in spezielle Kulttracht gekleidet und er mußte einen sog. Trunk des Vergessens zu sich nehmen. Danach wurde er durch ein enges Loch an den Füßen in eine unterirdische Höhle gezogen, in der er von Schlangen umgeben war. Diese mußte er mit Opferkuchen besänftigen und sich daraufhin alles, was er sah und hörte merken. Der oft zu Tode verängstigte Fragende wurde schließlich wieder durch das Loch nach oben gezogen und erhielt nach einem Trunk der Erinnerung von einem Priester die Erklärung für seine Erlebnisse. Der Orakelbesucher wurde rituell also selbst als 'Toter' in die Unterwelt geschickt und kam 'erleuchtet' wieder auf die Welt.