Extase

Die Menschen, die als Gefäße für die Orakel der Götter dienten, mußten sich in einen Zustand versetzen, in dem der Gott durch sie sprechen konnte. Dies geschah in unterschiedlicher Form; z.B. wurde in manchen Kulten das Medium durch Dämpfe in Trance versetzt, andere hatten durch Fasten und Trinken von heiligen Quellen einen Zustand von Entrückung erreicht.
In Delphi wird ein Erdspalt erwähnt, über dem die Pythia auf einem Dreifuß saß und Lorbeerblätter kaute. Durch diese in Ekstase versetzt gab sie wirre Laute, Schreie oder Worte von sich, die von den Prophetes interpretiert wurden. Plutarch, der im 2. Jh. n. Chr. über diese Praxis schreibt, sollte das selbst wissen, da er eine Zeit lang Priester des Apollonkultes in Delphi war. Jedoch läßt sich im Apollontempel geologisch kein Erdspalt nachweisen und auch das Kauen von Lorbeerblättern hat keinerlei toxische Wirkung. Versucht also Plutarch durch diese falsche Überlieferung den eigentlichen Ablauf des Orakels zu verheimlichen oder ist es einfach nur eine Mythologisierung des Kultes in einer Zeit, in der Delphi bereits seine politische Bedeutung verloren hat?