Didyma

In Didyma gab es bereits ein archaisches Apollonorakel, bei dem die Priesterdynastie der Branchiden tätig war.
Nach dem Mythos hatte Apollon dem Hirtenjungen Branchos die Gabe der Weissagung verliehen und dessen Nachfolger führten das Orakel weiter. Man geht daher davon aus, daß in der Frühzeit ein Priester als Medium des Gottes weissagte, der von einem weiteren Priester, der die Worte interpretierte begleitet wurde. Es sind inschriftlich 3 Sprüche aus dem 6.Jh.v.Chr. überliefert; eine der fragmentarischen Antworten lautet: "... Es ist richtig, es so wie deine Vorväter zu tun".
Die Zerstörung des Heiligtums durch die Perser 494/493 v.Chr. beendete für lange Zeit die Orakeltätigkeit und erst unter Alexander 334 v.Chr. wurde der Kult wieder eingerichtet. Offenbar wurde zu dieser Zeit Delphi als Vorbild für die Riten genommen, da jetzt eine Frau weissagte (prophetis, promantis). Ein männlicher Prophet, von anderen begleitet, übersetzte für die Fragenden.
Der Ablauf einer Orakelbefragung wird von Iamblichos überliefert (Myth.3.11), obwohl dieser Autor erst im 3.Jh.n.Chr. schreibt, kann dadurch ein Einblick in den Ritus gewonnen werden: nach Opfern und einem Hymnus stieg die Priesterin ins Adyton, das Allerheiligste des Tempels hinunter zu einer heiligen Quelle und weissagte dort.