Delphi

An der bedeutendsten Kultstätte des Apollon bestand nach dem Mythos ursprünglich ein Orakelkult von alten Erdgottheiten, wie Gaia (Göttin der Erde) ihre Tochter Themis (Göttin des Rechts), Hestia (Herdgottheit) und einem Sohn der Hera, einem Schlangenwesen namens Typhon. Apollon, der auf der Suche nach einer eigenen Kultstätte für Orakel an den Südabhang des Parnaß gelangte, tötete Typhon und ließ ihn dort verfaulen (griech. pytho -> daraus entstand der Name Pythia für die Orakelpriesterin). Apollon reinigte sich von dieser Blutschuld in der Kastalischen Quelle und wurde so entsühnt.
Delphi war auch für die Griechen ein Ort für Entsühnung von Mord und anderen Bluttaten und auch als moralische Instanz bei neuen Gesetzgebungen (Lykurgos und Solon).
Die größte Bedeutung Delphis war in seiner Frühzeit von ca. 750 bis 550. Zu dieser Zeit profitierte das Orakel von den großen Kolonisationen, wobei Delphi durch seine Informationsfülle über fremde Länder, günstige Seewege und gute Hafenbedingungen den Kolonisten richtige Ratschläge auf ihre Fragen geben konnte (Herodot 4,155-165).
Auch in späterer Zeit war Delphi bei diplomatischen Beziehungen zwischen den griechischen Stadtstaaten tätig. Jedoch war das Orakel nicht immer objektiv, da es sich durch Bestechung oder militärische Gewalt leicht beeinflussen ließ. Dies ist auch als Grund für die spätere Bedeutungslosigkeit angeführt worden.